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Rechtsvergleichende Notizen zur Beweiskraft der Urkunde in der antiken Kreditkaufpraxis


Pages 207 - 213

DOI https://doi.org/10.13173/zeitaltobiblrech.21.2015.0207




Lissabon

1 Folgende Abkürzungen werden verwendet: P. Adler gr. = E. N. Adler/J. G. Tait/F. M. Heichelheim (Hg.), The Adler Papyri, Greek texts, Oxford 1939; BGU IV = Generalverwaltung (Hg.), Aegyptische Urkunden aus den Koeniglichen Museen zu Berlin, Griechische Urkunden, Bd. IV, Berlin 1912; BL I = F. Preisigke (Hg.), Berichtigungsliste der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten, Berlin/Leipzig 1922; C. = P. Krueger (Hg.), Codex Iustinianus, Corpus Iuris Civilis, Bd. II., 9. Aufl., Berlin 1914; D. = Th. Mommsen/P. Krueger (Hg.), Iustiniani Digesta, Corpus Iuris Civilis, Bd. I., 24. Aufl. (Reprint), Hildesheim 1988; P. Ent. = O. Guéraud (Hg.), ENTEYΞEIΣ. Requětes et plaintes adressées au Roi d'Égypte au IIIe siècle avant J.-C. (Publications de la Société Royale Égyptienne de Papyrologie – Textes et documents 1), Kairo 1931; Gai Inst. = U. Manthe (Hg.), Gai Institutiones/Die Institutiones des Gaius (Texte zur Forschung 81), Darmstadt 2004; Gnomon = Gnomon. Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft, München; Iura = Iura. Rivista internazionale di diritto romano e antico, Neapel; Magd. = J. Lesquier (Hg.), Papyrus de Magdola, Paris 1912; MChrest. II,2 = L. Mitteis/U. Wilcken, Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde, Bd. II: Juristischer Teil, 2: Chrestomathie, Leipzig/Berlin 1912; Meyer, JP = P. M. Meyer, Juristische Papyri. Erklärung von Urkunden zur Einführung in die juristische Papyruskunde, Berlin 1920; NG (mit Bandzahl) = A. Falkenstein, Die neusumerischen Gerichtsurkunden (Abh. der phil.-hist. Kl. der Bayer. Akad. der Wissenschaften, Neue Folge 39, 40, 44), München 1956–1957; P. Oxy. II = B. P. Grenfell/A. S. Hunt (Hg.), The Oxyrhynchus Papyri, Bd. II, London 1899; SDHI = Studia et Documenta Historiae et Iuris, Rom; SZ = Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, romanistische Abteilung, Weimar; TD = F. Thureau-Dangin, Lettres et contrats de la première dynastie babylonienne, Paris 1910; Tempeleide = U. Kaplony-Heckel, Die demotischen Tempeleide, Teil I: Text (Ägyptologische Abhandlungen 6), Wiesbaden 1963; TR = Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis/Revue d'Histoire du Droit/The Legal History Review, Groningen; UAR = M. Schorr, Urkunden des altbabylonischen Zivil- und Prozessrechts (Vorderasiatische Bibliothek 5), Leipzig 1913; ZPE = Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, Bonn.

2 Einen Sonderfall bildet BGU IV Nr. 1146 (= MChr. II,2 Nr. 106) (19 v.Chr.). Es handelt sich um eine alexandrinische συγχώρησις, in der die Zahlung eines Kaufpreises in vier Raten versprochen wird. Zur nachdiokletianischen Praxis vgl. A. Jördens, Kaufpreisstundungen (Sales on Credit), in: ZPE 98 (1993), S. 263ff.; F. Pringsheim, The Greek Law of Sale, Weimar 1950, S. 244ff.; H.-A. Rupprecht, Kleine Einführung in die Papyruskunde, Darmstadt 1994, S. 119; R. Taubenschlag, The Law of Greco-Roman Egypt in the Light of the Papyri 332 B.C. — 640 A.D., 2. Aufl., Warschau 1955, S. 338ff.

3 Vgl. P. Ent. Nr. 49 (= Magd. Nr. 14; MChr. Nr. 224; MeyJP. Nr. 44). Hierzu H.- J. Wolff, Das Recht der griechischen Papyri Ägyptens in der Zeit der Ptolemäer und des Prinzipats, Bd. II: Organisation und Kontrolle des privaten Rechtsverkehrs (Handbuch der Altertumswissenschaft X. 5. 2), München 1978, S. 147; H.-A. Rupprecht, Untersuchungen zum Darlehen im Recht der graeco-aegyptischen Papyri der Ptolemäerzeit (Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 51), München 1967, S. 61f., dazu aber die Besprechung von H.- J. Wolff, in: Gnomon 41 (1969), S. 383.

4 Und zwar obgleich in diesem Fall dem in die Urkunde aufgenommenen Vermerk über die Auszahlung der Darlehenssumme jegliche juristische Begründung fehlte. Bei den Kreditkäufen hingegen diente das fiktive Darlehen dazu, die Haftung des Käufers für den kreditierten Kaufpreis zu begründen.

5 Vgl. H.- A. Rupprecht, Kleine Einführung in die Papyruskunde, S. 143; ferner H.-J. Wolff, Das Justizwesen der Ptolemäer (Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 44), 2. Aufl., München 1970, S. 123 ff.

6 Vgl. P. Oxy. II Nr. 237, Sp. VIII: 7–18. Siehe aber BL I, S. 318; auch A. Menkam: The Edict of Valerius Eudaimon, Prefect of Egypt, in: M. David/B. A. van Groningen/E. M. Meijers (Hg.), Symbolae ad ius et historiam antiquitatis pertinentes Julio Christiano Van Oven dedicatae (Symbolae Van Oven), Leiden 1946, S. 191–210, S. 192 ff. Aus der Z. 8 wird ersichtlich, dass bereits sein Vorvorgänger, der Präfekt M. Petronius Mamertinus, ähnliche Maßnahmen eingeleitet hatte. Zu den Amtszeiten der Präfekten M. Petronius Mamertinus (133–137) und C. Valerius Eudaemon (142–143) siehe den Anhang I bei A. Jördens, Statthalterliche Verwaltung in der römischen Kaiserzeit. Studien zum praefectus Aegypti (Historia – Zeitschrift für Alte Geschichte, Einzelschriften 175), Stuttgart 2009, S. 529. Das Edikt musste also im Jahr 142 (das letzte im Text angegebene Datum) erlassen worden sein und nicht 138, wie Grenfell und Hunt, die Papyrusherausgeber, vorgeschlagen haben. Vgl. R. Katzoff, Precedents in the Courts of Roman Egypt, in: SZ 89 (1972), S. 261 Anm. 13; Menkam a.a.O. S. 195 Anm. 14. Ohne Begründung (aus Versehen?) gibt Wolff, Das Recht der griechischen Papyri Ägyptens (siehe oben Anm. 3), S. 148, der auf die Aufsätze Katzoffs und Menkams hinweist, das Jahr 141 an.

7 Zur umstrittenen Bedeutung der Tatbestände ῥαδιουργία und περιγραφή vgl. H.-J. Wolff (siehe oben Anm. 3), S. 150f.; Menkman a.a.O. S. 203ff. maxime S. 206f.; M. Hässler, Die Bedeutung der Kyria-Klausel in den Papyrusurkunden (Berliner juristische Abhandlungen 3), Berlin 1960, S. 36, dazu die Besprechung von M. Amelotti, in: Iura 12 (1961), S. 365f. Zum Präfekten als Richter siehe H.-J. Wolff, Organisation der Rechtspflege und Rechtskontrolle der Verwaltung im ptolemäisch-römischen Ägypten bis Diokletian, in: TR 34 (1966), S. 36 ff.

8 Vgl. Tempeleide Nr. 32 (103/102 v.Chr.); 66 (102/101 v.Chr.). Bei den Tempeleiden Nr. 101 (9/10 n.Chr.), 154 (entweder 103/102 v.Chr. oder 100/99 v.Chr. oder 67/66 v.Chr. oder 38/37 v.Chr.) und 158 (entweder 115/114 v.Chr. oder 79/78 v.Chr. oder 50/49 v.Chr.) schwört der Schuldner, die Darlehensvaluta von Gläubiger nie erhalten zu haben. Bei Nr. 74 (10/9 v.Chr.), 75 (Beginn der Römerzeit; das Jahr ist nicht sicher zu ermitteln) und 76 (entweder 112/111 v.Chr. oder 76/75 v.Chr. oder 47/46 v.Chr.) musste der Beklagte beschwören, dass keine Summe zu seinen Lasten gehe. Hervorzuheben ist jedoch die Tatsache, dass in den zitierten Tempeleiden mit Ausnahme von Nr. 32 und 66 keine Hinweise auf Urkunden zu finden sind.

9 Vgl. Tempeleide Nr. 146 (entweder 98/97 v.Chr. oder 65/64 v.Chr. oder 36/35 v.Chr. oder 14/13 v.Chr.); Nr. 147 (entweder 48/47 v.Chr. oder 26/25 v.Chr.). Auch diese Tempeleide enthalten keine Hinweise auf Urkunden.

10 Vgl. Tempeleide Nr. 30 (das Jahr ist nicht erhalten; siehe aber die folgende Anm.).

11 Der Kauf ist in einem griechischen Papyrus aufgezeichnet. Vgl. P. Adler gr. Nr. 16 (22. Mai 99 n.Chr.).

12 Vgl. Tempeleide Nr. 30: 3b. Die Geldbezahlungsurkunde ist nicht überliefert.

13 Siehe unten.

14 Zur demotischen Geldbezahlungsurkunde siehe S. Lippert, Einführung in die altägyptische Rechtsgeschichte (Einführungen und Quellentexte zur Ägyptologie 5), 2. Aufl., Berlin 2012, S. 147 ff.; E. Seidl, Ptolemäische Rechtsgeschichte (Ägyptologische Forschungen 22), 2. Aufl., Glückstadt/Hamburg/New York 1962, S. 51 und 118; J. G. Manning, Demotic Law, in: R. Westbrook (Hg.), A History of Ancient Near Eastern Law, Bd. II (Handbuch der Orientalistik I/72,2), Leiden/Boston 2003, S. 845; ausführlich K.-Th. Zauzich, Die ägyptische Schreibertradition in Aufbau, Sprache und Schrift der demotischen Kaufverträge aus ptolemäischer Zeit (Ägyptologische Abhandlungen 19), Bd. I: Text, Wiesbaden 1968, S. 113ff. Zur Wendung „du hast mich vollbezahlt“, die zuweilen vor der gewöhnlichen (siehe oben) Geldbezahlungsklausel steht, vgl. K. Sethe/J. Partsch, Demotische Urkunden zum ägyptischen Bürgschaftsrechte, vorzüglich der Ptolemäerzeit (Abhandlungen der phil.- hist. Klasse der sächs. Akademie d. Wiss. 32), Leipzig 1920, S. 261ff.; Zauzich, a.a.O. S. 134–135.

15 Bei der älteren Urkunde geht es um ein zinsloses Darlehen von 12 Kupfer Talenten, das Agathinus und der Pates/Pa-tw dem Panas gewährten. Vgl. P. Adler gr. Nr. 10 (22. Juni 101 v.Chr.). Nächstes Jahr verkaufte Panas dem Pates/Pa-tw vier Parzellen eines Ackers für 12 Kupfer Talenten (= Darlehensvaluta). Vgl. P. Adler gr. Nr. 13 (12. Juli 100 v.Chr.). Es handelt sich offensichtlich um eine als Kauf konstruierte Hingabe an Erfüllungs Statt. Vgl. P. W. Pestman, Ventes provisoires de biens pour sÛreté de dettes: ὠναὶ ἐν πίστει à Pathyris et à Krokodilopolis, in: P. W. Pestman, (Hg.), Textes et études de papyrologie grecque, démotique et copte (Papyrologica Lugduno-Batava 23), Leiden 1985, S. 45 mit Anm. 2. Interessanterweise wird der Acker im zitierten Tempeleid (vgl. Tempeleide Nr. 30: 4) immer noch als „Acker des Pa-nε (wohl Panas)“ bezeichnet. Drei von diesen vier Parzellen wurden dann (22. Mai 99 n.Chr.) dem Horus/Hr für vier Kupfer Talenten verkauft. Siehe obigen P. Adler gr. Nr. 16 (22. Mai 99 n.Chr.). Diese vier Talenten (vgl. P. Adler gr. Nr. 16: 11) dürften dem Teil des Kaufpreises entsprechen, der bereits zum Kaufabschluss bezahlt wurde. Pɜ-mr-iḥt, der Erbe des Pates/Pa-tw (Verkäufer), brachte aus dessen Nachlass wohl die fiktive Darlehensurkunde über die mit dem Restkaufpreis identische Summe gegen den Horus/Hr (Käufer) vor, der daraufhin zu schwören hatte, mit sieben Talenten den Acker vollbezahlt zu haben. Der vollständige Kaufpreis betrug vermutlich 11 (4+7) Talenten.

16 Siehe oben Anm. 8.

17 Siehe oben Anm 9. Wie gesagt, anders als beim Tempeleid Nr. 30 lässt sich ein eventueller Zusammenhang mit Kreditkäufen in diesen Beispielen nicht ermitteln.

18 Vgl. E. Seidl, Juristische Papyruskunde — 15. Bericht, in: SDHI 30 (1966), S. 512; ders., Die Verwendung des Eides im Prozeß nach den demotischen Quellen, in: SZ 91 (1974), S. 50. Zweifelnd Wolff, Das Recht der griechischen Papyri Ägyptens (siehe oben Anm. 3), S. 149 Anm. 27, der in Bezug auf den erwähnten Tempeleid Nr. 32 (siehe oben Anm 8) die Möglichkeit in Betracht zieht, dass der Eid des Gläubigers lediglich die Einwendung der Urkundenfälschung widerlegen sollte.

19 Siehe oben.

20 Vgl. NG II Nr. 105 (aus Lagaš).

21 Vgl. NG I, S. 73 mit Anm. 2; NG II, Kommentar zu Nr. 105, S. 173.

22 Dies mag auch die Tatsache nahelegen, dass die neusumerischen Prozesse meist durch Zeugeneid und nicht Urkundenbeweis entschieden wurden. Vgl. NG I, S. 66ff. maxime 68f. und 72.

23 Zur Gleichstellung von Urkunden- und Zeugenbeweis siehe NG I, S. 73.

24 Die Kaufurkunde ist nicht überliefert. Das Gerichtsprotokoll besagt jedoch, dass der Käufer den Richtern die entsprechende Tafel vorgelegt hat. Da ohne Hingabe des Kaufpreises kein Kauf zustande kam, weisen die Kaufformulare die Kaufpreisquittung regelmäßig auf, auch wenn die Zahlung beim Kaufabschluss tatsächlich nicht erfolgte, d.h., wenn die Kaufpreisquittung fiktiv war.

25 Vgl. TD Nr. 157 (= UAR Nr. 280). Hierzu M. San Nicolò, Die Schlußklauseln der altbabylonischen Kauf- und Tauschverträge. Ein Beitrag zur Geschichte des Barkaufs (Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 4), München 1922, S. 91 und 128.

26 Dagegen spricht nicht die Tatsache, dass im Gerichtsprotokoll kein Verpflichtungsschein bzw. Darlehensvertrag erwähnt wird. Protokolliert wurden nicht das ganze Beweisverfahren, sondern grundsätzlich nur die entscheidenden Beweismittel, hier die Kauftafel und der Parteieid des Käufers. Dazu NG I, S. 62–63.

27 Vgl. Diocl./Max. C. 4, 2, 6 (293): Die über eine Preisschuld ausgestellte fiktive Darlehensurkunde (gemeint ist angesichts des griechischen Namens des Petenten wohl eine συγγραφὴ δανείου) kann ohne novierende Stipulation nicht novierend wirken. Diocl. C. 4, 2, 5 pr. (293): Eine Frau nahm ein Gelddarlehen auf, die darüber ausgestellte Urkunde bestätigte aber den Empfang von Öl. Auf Rückgabe des Öls geklagt, setzten die zwei Petenten eine Urkunde auf, in der sie erklären, das Darlehen in Interesse der Beklagten aufgenommen zu haben („intercessionis nomine hanc pro rea suscepistis obligationem“). Auf die Frage, ob die ganze Valuta von einem der Petenten eingeklagt werden könnte, antwortet der Kaiser, dass den Petenten keine Haftung aus der erwähnten Urkunde folge, da sie weder die Darlehensvaluta empfingen noch deren Rückzahlung in einer Stipulation versprachen. Im § 1 wird dementsprechend entschieden, dass die oben genannte Urkunde, die den Empfang von Öl falsch bestätigt, eine Stipulationsklausel über dessen Rückgabe aber nicht enthält, keine Haftung begründet. Damit wird nahe gelegt, dass die Frau für die Rückzahlung der tatsächlich empfangenen Geldsumme haftet. Diocl. C. 4, 29, 17 (294): Einer Frau, Mutter des Petenten, der die Darlehensvaluta, welche in einer Urkunde (instrumentum) als empfangen notiert ist, tatsächlich aber nicht ausgezahlt wurde (fiktives Darlehen) – sie ist stattdessen an ihren Mann ausgezahlt worden –, kann allein aus dieser Urkunde keine Darlehenshaftung folgen. Aus diesem Grund wurde reskribiert, dass hier keine exceptio ex senatus consulto (Vellaeano) nötig sei.

28 Mit dieser exceptio konnte der Schuldner binnen fünf Jahren (seit Justinian binnen zwei) die Darlehensurkunde wegen Nichtauszahlung der als empfangen notierten Valuta anfechten.

29 Und zwar als die Darlehensurkunde mit einer angehängten Stipulationsklausel versehen war. Vgl. Diocl. C. 4, 30, 9 (293?): Der Petent, der in einer Stipulation die Rückzahlung der als empfangen bestätigte Darlehensvaluta vor der tatsächlichen Darlehenshingabe versprochen, sie aber nicht erhalten hat, kann der Stipulationsklage eine exceptio in factum (die exceptio non numeratae pecuniae) entgegenhalten.

30 Vgl. Ant. C. 4, 30, 3 (215); Diocl. C. 4, 30, 10 (das Datum ist nicht überliefert). Hierzu M. R. Cimma, De non numerata pecunia (Università di Roma – Pubblicazioni dell'Istituto di Diritto Romano e dei diritti dell'Oriente mediterraneo 61), Mailand 1984, S. 114ff.

31 Vgl. Ulp. D. 44, 4, 2, 1. So wenn der Schuldner der Klage aus einer stipulatio sine causa die exceptio doli entgegengehalten hat, weil er die Rückzahlung des Darlehens versprochen hat, die Darlehensvaluta ihm jedoch nicht ausgezahlt worden ist. Vgl. Gai Inst. IV, 116; 119; Ulp. D. 44, 4, 2, 3. Hierzu M. Kaser, Das Römische Privatrecht. I – Das altrömische, das vorklassische und klassische Recht (Handbuch der Altertumswissenschaft X.3.3.1), 2. Aufl., München 1971, S. 541 mit Anm. 32; auch J. G. Wolf, Causa stipulationis (Forschungen zum römischen Recht 27), Köln/Wien 1970, S. 8ff. Die exceptio non numeratae pecuniae hat sich von der exceptio doli abgespaltet und dürfte zunächst einen subsidiären Charakter haben. Vgl. Ulp. D. 44, 4, 4, 16, wo gegen Eltern und Patrone statt der exceptio doli die exceptio non numeratae pecuniae als exceptio in factum gewährt wird. Dies könnte erklären, warum Ant. C. 4, 30, 3 (215) (vgl. Anm. 30) die Verschiebung der Beweislast auf den Kläger hinsichtlich der Darlehenshingabe auf die exceptiones doli und non numeratae pecuniae zugleich („exceptione opposita seu doli seu non numeratae pecuniae“) anwendete. Gemeint war wohl nur die exceptio doli im Fall von non numerata pecunia. Dazu W. Litewski, Non numerata pecunia im klassischen römischen Recht, in: SDHI 60 (1994), S. 408ff., 419ff.

32 Nach dem dem klassischen Beweisverfahren eigenen Prinzip der „freien Beweiswürdigung“. Hierzu M. Kaser/K. Hackl, Das römische Zivilprozessrecht (Handbuch der Altertumswissenschaft X.3.4), 2. Aufl., München 1996, S. 361ff. und 491.

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